
Orientalische Kelims
Heute gelten Kelims als zeitgemäße Wohnaccessoires, die als Bodenteppich, Wandbehang, Decke oder Kissen für einen exotischen Touch sorgen. Die leuchtenden Farben, expressiven Muster und verschiedenen, aufwändigen Techniken für zusätzliche Verzierungen sind faszinierend.
Zwei deutsche Sammlerehepaare, Dr. Berndt und Brigitte Busz sowie Gudrun und Gottfried Schubert, haben über viele Jahre Kelims in allen ihren Variationen gesammelt. Im Jahr 2009 haben sie das GRASSI Museum für Angewandte Kunst mit großzügigen Schenkungen bedacht. Dies ist ein großer Glücksfall für das Museum, dessen Teppichsammlung bisher nur wenige Kelims enthielt und das jetzt auch diesen Bereich umfangreich darstellen kann. Rund 40 Stücke aus diesen Donationen werden in der Ausstellung „GEWEBTE GÄRTEN. Orientalische Kelims“ präsentiert.
Die flach gewebten Kelims sind wesentlich älter als geknüpfte Teppiche, dennoch wurden sie Jahrhunderte lang als vermeintlich primitive Arbeiten einfacher Nomaden wenig geschätzt. Die orientalischen Teppichhändler verwendeten sie allenfalls als Transportverpackung der als sehr viel kostbarer angesehenen Knüpfarbeiten. Auch in Europa schenkte man ihnen wenig Beachtung, bis in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts der Tourismus in der Türkei einsetzte. Urlauber, die weltenbummelnden Anhänger der Hippie-Bewegung aber auch Kunstsammler waren fasziniert von den archaisch anmutenden, starkfarbigen „Neuentdeckungen“. Kelimgewebe wurden einerseits zum beliebten Reisesouvenir, andererseits aber auch zum begehrten Sammelobjekt. So entstanden vor allem in Europa und Amerika viele große und kleine Sammlungen.
Die im GRASSI Museum für angewandte Kunst gezeigten Kelims stammen aus dem späten 19. und dem 20. Jahrhundert. Sie wurden ursprünglich als Teppiche, Decken, Überwürfe oder auch Vorhänge genutzt und spiegeln die unterschiedlichen Webtraditionen der Nomaden und der sesshaften Bevölkerung aus Anatolien, den Bergregionen des Irak und der angrenzenden Gebiete wider.

ALESSI. Architektur für den Tisch
31 Tee- und Kaffeesets für Alessi
Kooperation mit dem Museo Alessi, Crusinallo
1983 entwickelte der Designer Alessandro Mendini für die Firma Alessi das Projekt Tea & Coffee Piazza und gab damit den bahnbrechenden Anstoß für eine neue radikale Auseinandersetzung mit dem Universum des Gestaltens. Mendini begeisterte elf der wichtigsten jungen, internationalen Architekten dafür, Tee- und Kaffee-Geschirr zu entwerfen, das viel mehr war als schicker Hausrat: Es war ein neuer Weg des analytisch, philosophischen Gestaltens in Form eines architektonischen Manifestes. Alle Entwürfe schärften die Sinne für Konstruktion und Komposition, für Symbolik und Ritus und waren darüber hinaus Material gewordene Ironie.
2003 griffen Alberto Alessi und Mendini mit den Alessi Tea & Coffee Towers, die Idee des Zusammenwirkens der Disziplinen Architektur im Großen und Design im Kleinen ein weiteres Mal auf, um das Paradoxon von Dimensionen, der Anpassung des Maßstabs und der Vereinigung unterschiedlicher Funktionen zu erarbeiten. Die 31 Tee- und Kaffeesets spielen mit unterschiedlichen Maßstäben architektonischen Gestaltens und schaffen eine Bühne für architektonische Experimente mit einem häuslichen Objekt. Design und Architektur bilden aus mikroarchitektonischen Solitären eine urbane Landschaft, in der Körper und Raum von der Postmoderne bis in die Gegenwart eine zentrale Rolle spielen.
Beteiligte Architekten
Michael Graves, Oscar Tusquets, Hans Hollein, Charles Jenks, Richard Meier, Alessandro Mendini, Paolo Portoghesi, Aldo Rossi, Stanley Tigerman, Robert Venturi, Kazumasa Yamashita
Will Alsop, Weil Arets, Gary Chang, David Chipperfield, Denton-Corker-Marshall, Dezsö Ekler, Doriana & Massimiliano Fuksas, Future Systems, Zaha Hadid, Toyi Ito, Tom Kovac, Greg Lynn, Morphosis, MVRDV, Juan Navarro Baldeweg, Jean Nouvel, Dominique Perrault, SANAA, UN Studio

Deutsche und internationale Glaskunst seit 1960
In den 36 Vitrinen der rekonstruierten Pfeilerhalle präsentiert das Museum die umfangreiche Glasschenkung des Sammlers Josef Boeven und weitere Stücke aus eigenem Bestand: weiche und kantige Flakons und Vasen, fragile Gläser, scheinbar schmelzende Skulpturen, sich spiegelndes, optisches Glas, abstrakte Dekors, Landschaften, ineinanderfließende Farben und Formen.
Über 200 Arbeiten verdeutlichen die faszinierende Fülle an künstlerischen und technischen Ausdrucksmöglichkeiten herausragender Glaskünstler wie Volkhard Precht, Ulrike und Thomas Oelzner, Jörg Zimmermann, Pavel Molnar, Javier Gómez, des Studio Åhus aus Schweden und vielen mehr.
Phantastische Formen, kraftvolle Farben, außergewöhnliche Techniken und künstlerische Freiheit – all das steht für moderne Glaskunst. Durch Brennöfen in eigenen Studios und durch einen internationalen Austausch der Künstler avancierte Glas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vom bloßen Gebrauchsgegenstand zum ausdrucksstarken Kunstwerk.