29.11.2014 - 12.04.2015
Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig.

F. G. Hoffmann - Hoftischler und Unternehmer

Im Interview: Christian Jürgens, Chefrestaurator im Museum.
Beitrag 04.12.2014 | 13:31 Uhr | von  Katharina Nitsch

Im Interview gibt Christian Jürgens Einblicke in die umfangreichen Aufgaben, die mit dem Ausstellungsaufbau „Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig“ verbunden waren und berichtet, warum es für ihn und sein Team wichtig ist, bloß keine Hektik aufkommen zu lassen.

Zur Sonderausstellung "Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig" wurden viele Leihgaben aus Museen, Sammlungen und von privaten Leihgebern angeliefert. Wie läuft so eine Anlieferung genau ab?
CJ: Zunächst muss gesagt werden, dass es einen genauen Terminplan gab. Dank unserer Ausstellungskuratorin Ute Camphausen, die diesen Plan wieder präzise ausgearbeitet hatte und auch bei Bedarf aktualisierte, klappte die Logistik sehr gut.
Die Kunsttransporte lagen in der Hand der Kunstspedition Schenker. Die Kollegen sind ausgewiesene und erfahrene Spezialisten für solche Transporte. Ein Großteil der Leihgaben war in sogenannten Klimakisten verpackt. Die Leihgeber schicken oft Restauratoren als Kuriere mit, die die Transporte begleiten und an die beim Museum tätigen Restauratoren übergeben. Nach dem Auspacken der Objekte in einem abgesperrten Areal unserer Pfeilerhalle durch die Kollegen der Kunstspedition wurden die Objekte durch die Restauratoren begutachtet. Hierfür gibt es Zustandsprotokolle, die mit dem Objekt abgeglichen werden müssen. Eventuelle Veränderungen des Objektes werden in diesem Protokoll festgehalten, und wenn nötig eine Fotodokumentation angelegt. Im Beisein des Restaurators des Leihgebers werden dann die Objekte genau an ihrem Platz in der Ausstellung platziert und nicht mehr verrückt. Den größten Aufwand hatte natürlich hierbei unser Möbelrestaurator Thomas Andersch. Unterstützt wurde er von dem freiberuflichen Restaurator Frank Dornacher. Unsere Keramikrestauratorin Ilona Faust und ich teilten uns dann in die „Nichtmöbelobjekte“ Auch hier mussten natürlich der Zustand überprüft  und mit den Protokollen verglichen werden und anschließend die Objekte gemäß Ausstellungsgestaltung platziert werden.

Und was ist bei einem Ausstellungsaufbau besonders zu beachten oder was treibt Sie besonders um?
CJ: Wichtig ist, dass keine Hektik während des Ausstellungsaufbaus entsteht. Alle Podeste und Stellwände mussten stehen, bevor das erste Möbel gestellt wurde. Das hat durch die hervorragende Arbeit der Abteilung Technik auch sehr gut geklappt. Außerdem musste das Raumklima die erforderlichen Werte aufweisen.

Was kann man sich unter einer Klimakiste vorstellen?
CJ: Eine Klimakiste ist eine sehr stabile und dicht schließende Kiste mit einer verhältnismäßig dicken Wandung. Ziel ist es, das Kunstgut während eines Transportes keinen Klimaschwankungen auszusetzen. Bevor ein Objekt verpackt wird, muss die Klimakiste sich mindestens zwei Tage akklimatisieren, das heißt, sie wird meist neben dem zu verpackendem Objekt aufgestellt, damit sie sich der relativen Luftfeuchte und Temperatur anpassen kann. Die Dickwandigkeit puffert die Luftfeuchtigkeits- und Temperaturschwankungen während des Transportes ab.

Ist Holz generell ein "schwieriges" Material für Ausstellungen?

CJ: Holz reagiert empfindlich auf Schwankungen der Luftfeuchtigkeit. Eine Veränderung der relativen Luftfeuchte führt zum Quellen bzw. Schwinden der Konstruktionshölzer, das kann sich auf die Furniere auswirken und andere Schädigungen hervorrufen.
Die Materialien der Kunstobjekte bedürfen bestimmter Klimabedingungen. Diese sind auch ganz klar in den Leihverträgen festgehalten. Die Toleranz der vorgegebenen Werte ist nicht sehr groß, die Werte müssen ständig kontrolliert werden. Damit wir uns gerade jetzt in der kalten Jahreszeit auf der sicheren Seite befinden, haben wir zusätzlich zur Gebäudeklimatisierung noch einige Befeuchtertruhen aufgestellt.

Nun steht die Ausstellung. Ist Ihre Arbeit damit getan?
CJ: Nein, keinesfalls. Alle hier ausgestellten Objekte sind einmalig und unwiederbringlich. Uns obliegt die Verantwortung, dass die Objekte die Zeit in der Ausstellung hier nicht nur unbeschadet, sondern auch unverändert überstehen. Die schon oben erwähnte Kontrolle der relativen Luftfeuchte und der Temperatur werden täglich durchgeführt. Das ist notwendig, um auf kritische Werte sofort reagieren zu können.

Lieber Herr Jürgens, vielen Dank für das Gespräch!


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