29.11.2014 - 12.04.2015
Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig.

F. G. Hoffmann - Hoftischler und Unternehmer

Auf Hoffmanns Spuren: Ein kleiner Stadtspaziergang
Beitrag 03.01.2015 | 14:52 Uhr | von  Katharina Nitsch

„Er ist bei uns“ – Dieser Tage fühlte man sich im GRASSI Museum für Angewandte Kunst dem Hoftischler Friedrich Gottlob Hoffmann nicht nur durch die überwältigende Anzahl seiner ausgestellten Möbel nahe.

Nein, denn wie der Hoffmann-Experte und Kurator der Ausstellung, Peter Atzig, bei seinen Recherchen zur Biographie des Tischlermeisters herausfand – er ist auch „unter uns“. 1806 starb F. G. Hoffmann nach kurzer Krankheit und wurde auf dem Alten Johannisfriedhof beigesetzt. Auf Teilen des damaligen Gottesackers steht heute das Grassimuseum.

Doch nicht nur die Grabstätte liegt so nah. Auf einem kleinen (Innen-) Stadtspaziergang kann man die Wirkungs- und Wohnstätten Hoffmanns erkunden. Mitte des 18. Jahrhunderts lebten rund 74.000 Menschen in der Messestadt. Spaziert man vom Museum aus Richtung Innenstadt, so wäre man damals schon bald durch das Innere Grimmaische Tor in die Stadt gekommen. Heute gelangt man direkt auf den Augustusplatz mit Oper und Gewandhaus. Hinter dem Paulinum (Aula und Universitätskirche St. Pauli) gelangte man auf den „Alten Neumarkt“, Teil des Collegium Paulinum auf dem Universitätsgelände. Heute befindet sich hier die Universitätsstraße mit Campus, Cafés und Geschäften. 1777 bezog Hoffmann dort in einem kleinen zweigeschossigen Gebäude zwischen Fürstenhaus und dem sogenannten Vorderpaulinum neue Wohn- und Geschäftsräume.

Da die Räumlichkeiten wahrscheinlich sehr beengt waren, bot Hoffmann seine Möbel zwischen 1787 und 1792 während der Messen auch in einem Verkaufsgewölbe im Durchgang des Hohmannschen Hofes in der Petersstraße an. Zur damaligen Zeit eine der ersten Adressen in Leipzig – heute eine der wichtigsten Einkaufsstraßen in der Leipziger Innenstadt.

Auf dem Weg vom Augustusplatz über die Universitätsstraße zur Petersstraße passiert man an der heutigen Grimmaischen Straße Auerbachs Hof. Heute ist der Eingang zu Auerbachs Keller touristisches Fotomotiv schlechthin und die angrenzende Mädlerpassage lockt mit exquisiten Geschäften. Ein Premiumstandort für Luxuswaren und Kunsthandel war Auerbachs Hof auch schon im 18. Jahrhundert. 1777 gründet Carl Christian Heinrich Rost hier seine „Rostische Kunsthandlung“ und bot unter anderem exklusive Grafiken italienischer Künstler, Figuren aus Meissener Biskuitporzellan, englische Wedgwood-Keramik, Juwelierarbeiten, Musikinstrumente und Gibsabgüsse antiker Büsten und Skulpturen an. Nicht zu Letzt konnte man hier ab Anfang der 1780er Jahre die Hoffmannschen Möbel erwerben. Für Hoffmann war dies die Möglichkeit, seine Waren dem gehobenen Bürgertum zum Kauf anzubieten und sich so einen Namen zu machen.

Entlang der Grimmaischen Straße, auf Höhe des Neumarkts und der Kreuzung Petersstraße kommt sie bereits in Sicht: die Thomaskirche. Pilgerstätte für Musikliebhaber und Bachfans, Heimat des Thomanerchores. Aktenkundig ist, dass Hoffmann in den 1770er Jahre auf dem Thomaskirchhof mit seiner Familie lebte. 1769 wurde der erste Sohn in der Thomaskirche getauft. Der 19. März 1770 war im Leben des Kunsttischlers ein besonderer Tag: Hoffmann schwor seinen Bürgereid und wurde mit allen Rechten und Pflichten Bürger der Stadt Leipzig.


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Wir haben uns am Abschlusstag Ihre Ausstellung angeschaut. Ich glaube, es war an der Zeit, auch verdienstvolle Handwerksmeister dieser Zeit, die auch für die Weiterentwicklung der Mode verantwortlich zeigten, eine Bühne zu geben. Es waren ja zum Glück nicht nur große Persönlichkeiten, die gelebt haben. Ohne die vielen bisher unbekannten Menschen wäre jede Zeit gesichtslos gewesen. Die Ausstellung hat uns auch deshalb begeistert, weil wir einer Familie entstammen, die über Jahrhunderte im Holzgewerbe tätig war (Tischler, Zimmerleute, Baumeister) und ist.