29.11.2014 - 12.04.2015
Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig.

F. G. Hoffmann - Hoftischler und Unternehmer

Im Interview: Restaurator Thomas Andersch über seine Begeisterung für die raffinierten Möbel
Beitrag 03.02.2015 | 15:42 Uhr | von  Katharina Nitsch

Rund 80 Möbel werden zurzeit in der Ausstellung „Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig“ gezeigt. Die ältesten Stücke stammen aus den Jahren um 1785 und sind rund 230 Jahre alt. Thomas Andersch, im Museum zuständiger Restaurator für das Material Holz, berichtet im Interview, über Qualität, Verarbeitung und warum die Beobachtung der Luftfeuchte so relevant für den Erhalt der Möbel ist.

Über 200 Jahre sind die ausgestellten Möbel alt. Nun stehen sie strahlend in der Ausstellung. Woran merkt man ihnen das Alter an?

Andersch: Das Alter ist nur mehr oder weniger zu merken. Zum einen ist der Erhaltungszustand der einzelnen Möbel recht unterschiedlich und die Überarbeitungen greifen ebenfalls mehr oder weniger tief in die Substanz ein. Erfreulicherweise gibt es einige Möbel in der Ausstellung, die nahezu unbearbeitet aufgestellt sind. Die haben für mich den größten Reiz.

Wichtige „Ausstellungsstücke“ sind Klimakisten. Was hat es damit auf sich und warum sind sie so wichtig?

Andersch: Die so genannten Klimatruhen sind strenggenommen lediglich Luftbefeuchter. Sie werden benötigt, um die relative Luftfeuchtigkeit in der Heizperiode anzuheben und für die  Ausstellungsobjekte ein entsprechend zuträgliches Klima zu gewährleisten. Die ausreichende Menge an Feuchtigkeit ist aber nur die eine Seite. Die Vermeidung von größeren Schwankungen der Klimaparameter ist ebenso wichtig.

Worin lag für Sie aus restauratorischer Sicht die Herausforderung in der Vorbereitung der Ausstellung?

Andersch: Alle Möbel, ob alt oder jung, werden einer großen Gefährdung ausgesetzt, wenn sie ihren Standort ändern sollen oder gar über eine gewisse Entfernung transportiert werden müssen. Das Zusammentragen der Ausstellungsobjekte so zu organisieren, dass möglichst kein Schaden entsteht, ist eine große Herausforderung und Verantwortung.

So viel Aufwand, wird sicherlich von einer großen Begeisterung getragen. Worin liegt für Sie der besondere Wert der Hoffmannschen Stücke?

Andersch: Die Hoffmann-Möbel sind sehr raffiniert konstruiert und gebaut. Sonst hätten sie nicht zur damaligen Zeit zu einem relativ moderaten Preis angeboten werden können. Dieses innovative Durchdenken des Herstellungsprozesses finde ich bemerkenswert.

Zum Schluss noch ein Tipp vom Experten: Was sollte strengstens unterlassen werden bei der „Pflege“ der eigenen Antiquitäten, wenn noch die Urururenkel daran Freude haben sollen?

Andersch: Ich würde mir wünschen, dass in jedem Fall der Kontakt zu einem qualifizierten Restaurator aufgenommen wird, wenn es darum geht, die Hand an ein historisches Möbel zu legen. Damit wäre schon viel geholfen.


Veranstaltungstipp:
Am Mittwoch, 4.2., ab 16.30 Uhr führt Thomas Andersch durch die Ausstellung und beleuchtet das Werk Hoffmanns aus handwerklicher Sicht.


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