29.11.2014 - 12.04.2015
Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig.

F. G. Hoffmann - Hoftischler und Unternehmer

Möbel und Musik - Zu Hoffmanns ,musikalischer’ Seite
Beitrag 13.02.2015 | 14:31 Uhr | von  Fanny Stoye

Denkt man an Leipzig und seine Musikgeschichte, kommt einem zuerst der Name Johann Sebastian Bachs in den Sinn. 1750 starb der weltberühmte Musiker im Alter von 65 Jahren – und schon kurze Zeit später verehrte ihn der Leipziger Chronist Friedrich Gottlob Leonhardi als „Vater der gereinigten teutschen Tonkunst“.

Als Hoffmann 1770 seinen Bürgereid in Leipzig leistete, wohnte er mit seiner Familie in einem Gebäude auf dem Thomaskirchhof – und damit direkt am wichtigsten Wirkungsort Bachs. Zwar waren die beiden keine direkten Zeitgenossen, mit Sicherheit wird Hoffmann aber noch viel vom Ruhm des Thomaskantors gespürt haben, der sich bis heute gehalten hat. Es verwundert daher kaum, dass sich der Tischlermeister Hoffmann bald auch der Musik verpflichtet fühlte. Er widmete sich aber nicht dem Instrumentenbau, sondern integrierte die Musik in seine Möbel.

Ein gutes Beispiel ist Hoffmanns Tisch, der zum „Speisen, Zeichnen, Schreiben und zur Mu-sik“ gedacht war. Stellt man die vier in die Tischplatte eingelassenen Notenpulte auf, konnten sich bis zu vier Musiker gleichzeitig um den Tisch stellen oder setzen. Diese Lösung war ideal, um etwa im Rahmen der Hausmusik eines der damals neuesten Stücke für Streichquartette aufzuführen. Die Partituren für solche Quartette lieferten vor allem Joseph Haydn (1732-1809) und Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). Im Jahr 1789 stellte Hoffmann seinen Musiktisch im ersten Katalog vor – und genau in diesem Jahr weilte auch Mozart zweimal in Leipzig und besuchte die Messen. Ob es wohl eine persönliche Begegnung zwischen Mozart und Hoffmann gab? Hatte Hoffmann gar konkrete Musikstücke vor Augen, die ihn zu einem Tisch mit vier Notenpulten veranlassten? So nahe diese Gedanken auch liegen, sie müssen doch reine Spekulation bleiben. Hoffmann fertigte sein Möbel nicht für ein konkretes Musikstück, sondern für alle musikalischen Gelegenheiten und damit auch für ein breites Publikum. Er ging also nicht so weit wie etwa der Neuwieder Ebenist David Roentgen (1743-1807): dieser stattete einen Kabinettschrank von 1776 mit Intarsien aus, auf denen Teile einer Partitur des Giovanni Battista Pergolesi (1710-1736) zu sehen sind.

Dennoch erkannte Hoffmann bald, dass mit ,musikalischen’ Möbeln gutes Geld zu verdienen war und ging einen Schritt weiter: 1794 berichtet er von ganz besonderen Schreibschränken, die er mit einem Flötenwerk ausgestattet hatte, so dass ein Musikstück gehört werden konnte. Im Möbel waren also mehrere Flötenpfeifen, wahrscheinlich angetrieben von einem Bla-sebalg und Walzen. Doch erst wenn ein solches Möbel aus Hoffmanns Werkstatt gefunden wird, kann mehr über die Mechanik und über die abspielbare Musik gesagt werden.

Wer nun nicht mehr so lange auf eine Hörprobe von Musik aus der Zeit Hoffmanns warten möchte, dem sei das Konzert von Bruno Kliegl (Augsburg) am 29.03. im GRASSI Museum für Angewandte Kunst empfohlen: auf der Glasharmonika, einem ungewöhnlichen Instrument des 18. Jahrhunderts, spielt er etwa Stücke von Mozart.


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