Klassizismus Louis Seize / Oeser
Raum 25

In den 1760er Jahren setzte in Frankreich ein für etwa drei Jahrzehnte vorherrschender und sich bald über sein Ursprungsland hinaus ausbreitender Stil ein, der den Übergang vom Rokoko zum Klassizismus bezeichnet. Nach dem französischen König Ludwig XVI. wird er Louis-seize genannt. Seine allgemeinen Merkmale sind stille Klarheit und Zartheit. Die verspielt-übermütige Formenwelt des Rokoko ist nun gebändigt, gerade Linien dominieren, antike Formmotive wie Kanneluren, Kränze und Schmuckstäbe finden Verwendung.
 
Vereint der erste Teil dieses Raumes herausragende Beispiele für die Kunst des Louis-seize, so steht der zweite Raumabschnitt unter der – im Rundgang immer wieder relevanten – Frage nach dem Beitrag Sachsens und Leipzigs. Aus der Leipziger Kunst jener Epoche ist der Name Adam Friedrich Oeser (1717–1799) nicht wegzudenken. Der vielseitige Maler, Radierer und Entwerfer plastischer Arbeiten wurde 1764 als erster Direktor der neubegründeten Leipziger Kunstakademie berufen. Er unterrichtete dort angehende Kupferstecher, Musterzeichner, Kunsthandwerker aber auch Konditoren.

Oeser war Proto-Klassizist. In vielen seiner Werke noch spätbarocken Elementen verhaftet, orientierte er sich thematisch und theoretisch am Vorbild der Antike. Die Gedanken seines Lehrers Raphael Donner von der „edlen Einfalt und stillen Größe“ gab er an Winckelmann und Goethe weiter.

⇐ zurück zu Raum 24
⇒ weiter zu Raum 26
     zum Überblick