Klassizismus
der römische Saal aus Schloss Eythra

Raum 26

Selten sind gemalte Tapeten des 18. Jahrhunderts so vollständig erhalten geblieben wie die aus dem ehemals südlich von Leipzig befindlichen Schloss Eythra. Jacob Friedemann von Werthern und seine gebildete und kunstsinnige Ehefrau Luise, eine geborene von und zum Stein, ließen Schloss und Park ab Mitte der 1780er Jahre im Sinne der damaligen Antikenrezeption umformen. „Der einzige Weg für uns groß, ja wenn es möglich ist, unnachahmlich zu werden, ist eine Nachahmung der Alten...“, hatte der Kunsttheoretiker Johann Joachim Winckelmann geschrieben. Er rief zum Studium der klassischen Antike auf.

Doch verband man mit dem Antikenbegriff vor allem eine Antithese zum bisher Zeitgenössischen. So ist es kein Widerspruch, wenn das Schloss gotisierende Fassadenelemente und der Park neben neogotischen, chinoise und antikisierende Bauten und Denkmäler erhielt.

Die Bildtapeten basieren auf Blättern von Piranesis Folge „Vedute di Roma“. Sie zeigen den Ponte Lugano, die Villa Hadriana, den Aquädukt des Nero, die Grotte der Egeria und den Sibyllen-Tempel von Tivoli. Piranesis Verherrlichung der antiken römischen Baukunst entsprach vollkommen der romantischen Kunstgesinnung des ausgehenden 18. Jahrhunderts.

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