Historismus
Raum 30

Der Begriff Historismus weist auf Geschichte als primäre Voraussetzung für die Gegenwart; in der Kunst auf die Nachahmung des Formengutes vergangener Epochen. Die Zeit zwischen 1840 und 1900 stand unter diesem Stern.
Nachdem mit der einsetzenden Industrialisierung eine geschmackliche Verflachung einherging, suchte man die inspirierende Kraft guter Vorbilder. Museumsgründungen brachten solche Anregungen, vor allem aber die großen Weltausstellungen ab 1851 in London, Paris und Wien.

In Leipzig rief 1865 Albert von Zahn eine Vorbildersammlung ins Leben, der das 1874 eröffnete Kunstgewerbemuseum folgte – eine der frühesten Institutionen dieser Art. Dessen hauptsächliches Ziel bestand darin, ortsansässigen Gewerbetreibenden Gestaltungsmuster zur Nachahmung und Ideenfindung zur Verfügung zu stellen. Das Museum selbst unterhielt eine Zeichenschule und der erste Direktor unterrichtete zugleich an der Kunstakademie und Kunstgewerbeschule. Originalität, Authentizität und ästhetische Autonomie der Objekte spielten oft noch eine untergeordnete Rolle. Kopien und freie Nachschöpfungen nahmen die Plätze nicht verfügbarer Originale ein.

Ankäufe von Weltausstellungen aus der Frühphase des Museums zeigen wir in diesem Raum gemeinsam mit späteren Erwerbungen. Die Exponate sind nach den großen Strömungen des Historismus gruppiert – nach dem Vorbild der Antike, dem der orientalischen Kunst, der Orientierung am Mittelalter, an Barock und Rokoko und – hier überwiegend – an der Renaissance.

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