Spätgotik Sakrale Schnitzplastik
Raum 5

Sachsens Städte erlebten am Ausgang des 15. Jahrhunderts durch die Erz- und Silberfunde im Erzgebirge einen wirtschaftlichen Aufschwung, der seinen Ausdruck auch in zahlreichen Altarstiftungen fand.
In größeren Kirchen waren 20 bis 30 Altäre nicht ungewöhnlich. Um der großen Nachfrage und den künstlerischen Ansprüchen gerecht zu werden, wurden neben sächsischen vor allem zugezogene fränkische Meister mit der Anfertigung von Retabeln beauftragt.
Der Flügelaltar (Wandelretabel) erwies sich als ideales Darstellungsmedium. Er erfüllte die in theologischen Schriften geforderten geistlichen Funktionen eines Bildwerkes ideal: zu erzählen, zu beeindrucken und zu erinnern. Die starke Realitätsnähe der teilweise mit Echthaar versehenen Schnitzfiguren verstärkte die persönliche und emotionale Beziehung zum Dargestellten. Im religiösen Schauspiel konnte man sie als weinende oder blutende Akteure wie „Spielfiguren“ einsetzen oder man führte sie, wie den Palmeselchristus, bei Prozessionen durch die Stadt. Häufigstes Motiv war neben Christus das der Gottesmutter Maria.
Fast jede soziale Gruppierung - wie zum Beispiel Bruderschaften oder Handwerkerinnungen - hatte ihren eigenen Altar und meist einen bevorzugten Heiligen, der wie eine Art „Versicherer“ gegen Krankheiten, Feuer oder Diebstahl angerufen werden konnte. Zugleich stellte man durch dessen Fürsprache sein Seelenheil sicher.

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