29.11.2014 - 12.04.2015
Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig.

F. G. Hoffmann - Hoftischler und Unternehmer

Im Gespräch: Die Gastkuratoren Peter Atzig und Michael Sulzbacher
Beitrag 18.12.2014 | 11:55 Uhr | von  Anett Lamprecht

Peter Atzig (PA) ist als Restaurator in Pforzheim tätig.Michael Sulzbacher (MS) ist Kunsthändler in Havixbeck bei Münster. Im Gespräch mit Anett Lamprecht (GRASSI) erzählen sie von ihrer Hoffmann-Begeisterung.

Welches Stück beeindruckt Sie in der Schau besonders?

PA: “Für mich ist es eindeutig das Möbel Nr. 23 aus dem Katalog des Jahres 1795, also das Möbel in Form eines Opferaltares, weil es eine außergewöhnliche Form hat. Es fällt heraus, ist ein Einzelstück. Seine vielfältige Wandelbarkeit begeistert mich – mal wirkt das Möbel wie ein Altar, dann wieder kann es als Konsoltisch, als Schreibtisch oder auch als Aufbewahrungstisch mit einem Geheimfach genutzt werden. Die Furniere sind wunderbar gewählt. Dieses Möbel gehörte einem Oberleutnant der Infanterie und es ist anzunehmen, dass er das Möbel auf Reisen mit sich führte. Das ist doch eine unglaubliche Vorstellung.“

MS: „Für mich ist der Sekretär aus dem Grassimuseum, der sonst als Dauerleihgabe in der Dauerausstellung steht, herausragend. Er sticht durch seine bemalten Tafeln ins Auge, einer bei Möbeln von Hoffmann wiederholt anzutreffende Dekorationsweise, die hier besonders zur Geltung kommt. Er war ein Meister der Farbe – was hier besonders gut zur Geltung kommt. Die Konstruktion des Sekretärs tritt zurück. Man nimmt im Grunde zuerst die Malereien wahr, erst dann das Möbel. Zu diesem Möbel gibt es meines Wissens auch keine Vergleichsstücke anderer Werkstätten. Als Vorlage für die aus England bezogenen bemalten Tafeln dienten Arbeiten von zwei italienischen Malern. Wenn man hier von einem Möbel mit italienischem Touch spricht, ist das nicht falsch.“

Wie kamen Sie zu diesem Thema, das Sie nun schon viele Jahre festhält und beschäftigt?

MS und PA haben sich im Jahr 2007 bei einer Tagung von mobile e.V. Gesellschaft der Freunde von Möbel und Raumkunst am Rande einer Fachtagung kennen gelernt. Beide beschäftigten sich zu dieser Zeit bereits seit vielen Jahren mit Friedrich Gottlob Hoffmann.

MS: „Mein Vater war Antiquitätenhändler in Münster. Bei ihm habe ich nach meinem Abitur mitgearbeitet und Einblicke in das Metier bekommen. Später besaß ich dann die  in der DDR herausgegebenen Reprints der Hoffmann-Kataloge. Mein erstes Hoffmann-Möbel kaufte ich 1989 in den Niederlanden. Ich kann mich noch gut an dieses Zylinderbureau erinnern. Die besondere Verarbeitung des Möbels fiel auf, das qualitätsvolle Holz. Durch die manufakturartige Organisation, die Vertriebsweise seiner Möbel und die Größe seiner Werkstatt scheint mir Hoffmann gleich nach Roentgen der wichtigste Kunsttischler des 18. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum gewesen zu sein.“

PA: „Ich habe vor circa fünfzehn Jahren eine Kommode restauriert, die Hoffmann zugeschrieben wird. Das war für mich der Auslöser, mich mit den Arbeiten dieses Mannes näher zu beschäftigen. Die beiden Reprints der Kataloge aus den Jahren 1979 und 1981 kannte ich ebenfalls.

Wie können wir uns den Menschen "Hoffmann" vorstellen?

PA: „Das ist recht schwierig, denn man hat ja nur Archivalien – im Stadtarchiv, in kirchlichen Archiven und die Innungsakten. In denen geht es jedoch vorrangig um seine gerichtlichen Auseinandersetzungen und seine wirtschaftlichen Umsätze, was in Bezug auf den Menschen an sich nicht unbedingt ein genaues Bild vermittelt. Auf jeden Fall begann Hoffmann als Tischler und hatte schon als 19jähriger erstmals Ärger mit der Innung in Leipzig. Das muss man sich mal vorstellen. Zweifelsohne war er eine starke Persönlichkeit, die die Obrigkeit nicht scheute, sondern im Zweifelsfall auch für sich zu nutzten wusste. Innerhalb Leipzigs war er eine geachtete Persönlichkeit.

MS: Hoffmann war einer der größten Arbeitgeber in Leipzig und wohl so etwas wie ein „workaholic“. Auskunft über „den Geschäftsmann“ gibt seine 200 Seiten starke Kreditakte, die im Staatsarchiv in Dresden liegt. Diese enthält aber keine „private“ Korrespondenz. Über die „Privatperson“ ist bisher wenig bekannt. Bedauerlicher Weise existiert auch kein Bild oder Porträt von ihm.

Was ist das ganz speziell "Moderne" an Hoffmann bzw. seinen Möbeln?

MS: In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dienten in Europa und den englischen Kolonien zunehmend englische Möbeltypen als Vorbilder.  Hoffmann verstand es, diese in einer Weise auf den deutschen Geschmack umzumünzen, die immer auch seine Handschrift erkennen ließ. Durch die Verbreitung seiner Möbel durch Kataloge und Anzeigen hatte er enormen Erfolg und sein Name wurde zu einer Art Markenzeichen. Gegen Ende des Jahrhunderts näherte er sich der Berliner Möbelkunst. Beispielsweise verwendete er nun auch Marmorverzierungen und vergoldete Bronzen wie sie dort seit ungefähr 1795 in Mode waren. Er hat bis etwa 1797/98 englische Möbel kopiert und auf den deutschen Geschmack umgemünzt, beispielsweise mit den typischen Marmorverzierungen versehen.

PA: „Hoffmann hat Korpusmöbel mit Nut und Federverbindung geschaffen. Außerdem legte er besonderen Wert auf eine kostengünstige und zeitsparende Herstellung seiner Möbel.“

Woran arbeiten Sie nach der Eröffnung dieser Ausstellung?

PA: „Das fragt sich meine Frau auch. Nun, ich werde mich wieder verstärkt der Möbel-Restaurierung zuwenden. Außerdem habe ich ein Sachverständigenbüro für europäische Möbel und schreibe Gutachten für Gerichte, Versicherungen und Nachlässe.

MS: Als Kunsthändler gilt mein Interesse bevorzugt der Zeit zwischen 1700 und 1850, als Möbelforscher der Zeit des Frühklassizismus. Friedrich Gottlob Hoffmann und David Röntgen werden mich also weiterhin begleiten. Viele bisher namentlich völlig unbekannte Werkstätten stellten aber ebenso qualitätsvolle Möbel her, nur nicht in so großer Menge. Ich habe also keine Sorge, dass mir das Forschungsmaterial ausgeht.


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