29.11.2014 - 12.04.2015
Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig.

F. G. Hoffmann - Hoftischler und Unternehmer

Vorgestellt: Friedrich Gottlob Hoffmann - Ein streitbarer Unternehmer
Beitrag 19.01.2015 | 17:32 Uhr | von  Dr. Thomas Rudi

Friedrich Gottlob Hoffmann war einer der erfolgreichsten Tischler um 1800 im deutschsprachigen Raum. Konfliktfreudig, streitbar und stets darauf bedacht, die von ihm hochgesteckten Ziele möglichst schnell zu realisieren – gerade wohl deshalb war er in ständigem Konflikt mit der Leipziger Tischlerinnung. Gegen diese führte er nicht weniger als 23 bis heute bekannte Gerichtsverhandlungen, bei denen er versuchte, sich gegen die einengenden Vorgaben der Innung durchzusetzen.

Hoffmann wurde am 27. Juli 1741 auf dem Rittergut Puschwitz bei Belgern in Sachsen geboren. Bis 1758 absolvierte er in Belgern seine Lehre und Gesellenzeit, danach war er in Leipzig tätig. Bereits in diesen ersten Jahren zeichnete sich ab, dass sich Hoffmann den strengen Regelungen der Leipziger Tischlerinnung nur ungern unterwerfen wollte. Schon im September 1768 klagte die Innung gegen Hoffmann wegen Schwarzarbeit – er habe unerlaubterweise in seiner Wohnung Stühle und sogar einen Kindersarg angefertigt, außerdem dort eine nahezu komplette Werkstatt eingerichtet. Im März 1770 schwor Hoffmann den Bürgereid und wurde im selben Monat zum Meister ernannt.

Doch weitere Klagen folgten: die mehrere Seiten umfassende Klage- und Beschwerdeschrift der Leipziger Innung vom März 1783 zählt detailliert die Punkte auf, die ihm von der Innung vorgeworfen wurden. Die Schrift wurde von allen Ober- und Innungsmeistern unterschrieben – Hoffmann hatte damit die gesamte Innung gegen sich! Darin gab es u. a. Beschwerden über die Anzahl der Gesellen, die bei Hoffmann beschäftigt waren, darüber, dass Hoffmann gegen andere Meister intrigiert und Mitarbeiter anderer Meister abgeworben habe, indem er ihnen mehr Lohn zahle. Zudem hätte Hoffmann seine Gesellen die Arbeiten anderer Meister kopieren lassen. Einige Jahre später ist belegt, dass es sogar zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen Hoffmann und dem Obermeister Johann Gotthilf Joseph gekommen ist. Grund war die Verweigerung Josephs, den Lehrbrief für Hoffmanns Sohn Friedrich Gottlieb auszuhändigen. Für Hoffmann endete die Angelegenheit sehr schmerzhaft. Als er sich nämlich aufmachte, den geforderten Lehrbrief bei Joseph abzuholen, wurde er von diesem und dessen Frau angegriffen und verletzt:

„[…] so habe ich mich gestern zu demselben begeben, um die Kundschaft abzuholen. Allein, anstatt den Befehlen seiner Obrigkeit zu gehorchen, blickte mich der selbe sogleich mit einem Auge voller Rache und Zorn an, fragte mich gleich ob ich auch wüsste, daß ich in 14 Tagen den Geburtsbrief schaffen müßte, und wie lange denn mein Sohn als Geselle bey mir gearbeitet hätte, was er denn in die Kundschaft hinein setzen sollte? Ob ich ihm nun gleich mit allem Glimpf hierauf antwortete, daß er hiervon gar nichts in die Kundschaft zu setzen brauchte, so fuhr er mich doch heftiger an, sagte 3 mal: haltets Maul, der Teufel sollte ihn holen, er gäbe mir die Kundschaft nicht, fuhr auf mich los, stieß mich an die Brust, ergriff einen großen Stock, holte damit aus und drohte mich zu schlagen, daß ich liegen bleiben sollte, welches ich aber nicht abwarten wollte sondern ihm den Stock aus den Händen wand, worauf dessen Frau auf mich zu lief, beide mich in das Gesicht schlugen, zu Boden, und rücklings in die Stubenkammer warfen, blutig schlugen, mich mit den Füßen auf die Brust stießen, so dass ich gantz sinnlos wurde, und kaum von ihnen fort und bis zu dem in seinem Hause wohnenden Drechsler hineinschleichen konnte, allwo ich durch Kurzweil wieder zu mir kam [...].“

Um die ständigen Auseinandersetzungen mit der Innung zu beenden, erhielt Hoffmann 1796 von Kurfürst Friedrich August III. den Ehrentitel „Chursächsischer Hoftischler“. Damit war er von allen Beschränkungen der Leipziger Tischlerinnung befreit, jedoch nicht, wie vermutet werden könnte, beim Dresdner Hof als Hoftischler angestellt. Hoffmann stand nun auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Statt der von der Innung erlaubten fünf Mitarbeiter, die in einer Werkstatt arbeiten durften, war es Hoffmann nun möglich, in seinen beiden Werkstätten in Leipzig und Eilenburg bis zu 42 Mitarbeiter zu beschäftigen. Trotz zahlreicher Anfeindungen und Rückschläge, setzte sich Hoffmann beharrlich gegen die veralteten Regelungen der Innung durch und führte seine beiden Werkstätten zu effizient arbeitenden Manufakturbetrieben.

Hoffmann starb am 24. Januar 1806 in seiner Wohnung am Alten Neumarkt am Paulinum, drei Tage später wurde er auf dem Alten Johannisfriedhof in Leipzig beigesetzt.


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