29.11.2014 - 12.04.2015
Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig.

F. G. Hoffmann - Hoftischler und Unternehmer

Leipzig 2015 – Leipzig 1800
Beitrag 09.04.2015 | 15:09 Uhr | von  Fanny Stoye

Im Jahr 1908 gab der Architekt und Architekturhistoriker Paul Mebes das Buch „Um 1800. Architektur und Handwerk im letzten Jahrhundert ihrer traditionellen Entwicklung“ heraus. Mebes spürte hier den künstlerischen Grundlagen der modernen Gesellschaft nach und erblickte in der Architektur und dem Handwerk um 1800 „treffliche Verhältnisse, feines Gefühl und meisterhafte technische Durchbildung“.

Auch das Mobiliar dieser Zeit galt ihm als „mustergültig“. Sicher ahnte Mebes zu diesem Zeitpunkt nicht, dass der Titel seines Buches zu einer festen Wendung werden sollte: denn bis heute bezeichnet man damit gerne die Zeit des ausgehenden Klassizismus, die die Weichen für die Kunst der Moderne stellte.
Nicht zuletzt deshalb dürften die Raumausstattungen dieser Zeit wie auch die Möbel Hoffmanns faszinieren. Die Räume waren Gesamtkunstwerke und die Möbel mit ihren zuweilen schlichten, reduzierten Formen dürfen als wahre Vorboten der Moderne oder zumindest deren Impulsgeber bezeichnet werden.
Doch auch ein Blick auf die moderne Stadt Leipzig im Jahre 2015 zeigt, dass in ihr noch viel mehr aus der Zeit „um 1800“ steckt. Bereits der unternehmerische Erfolg Hoffmanns verdankte sich den typischen Strukturen, die Leipzig bis heute prägen: die alljährlichen Messen und der rege Buchhandel, aber auch Institutionen der Kultur, der Künste und der Wissenschaften. Auch städtebaulich offenbart sich Leipzig als Ort der Tradition: die Messehäuser und Passagen ruhen auf den Grundstücken der einstigen Handelshöfe, die für Hoffmann so wichtig waren. Und auch die Bürgerhäuser rund um den Markt  künden noch von der Wohn- und Alltagskultur des 18. Jahrhunderts. „Leipzig 2015“ ist also nicht ohne „Leipzig 1800“ denkbar. Auch deshalb ist die Ausstellung zum Leben und Werk Friedrich Gottlob Hoffmanns ein wichtiger Beitrag für das 1000jährige Stadtjubiläum in diesem Jahr. Paul Mebes hätte sich über diese Verbindung sicher gefreut: denn „schöneres und bequemeres Mobiliar, als aus der Zeit um 1800 haben auch die Modernen nicht geschaffen, deren beste Leistungen bewußt oder unbewußt sich jenen Arbeiten anlehnen.“

 

 


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