02.06. - 03.10.2016
TAPIO WIRKKALA
Finnisches Design - Glas und Silber

Tapio Wirkkala (1915-1985) zählt zu den bedeutendsten, einflussreichsten und auch kommerziell erfolgreichsten Formgestaltern des 20. Jahrhunderts. International seit Anfang der 1950er Jahre weithin bekannt geworden, hat er einen kaum zu überschätzenden Anteil an der Strahlkraft der skandinavischen und speziell der finnischen Moderne.
Die Ausstellung umfasste rund 250 Objekte aus Glas und Silber, die in den Jahren zwischen Mitte der 1940er und Mitte der 1970er Jahre entstanden. Der finnische Designer entwarf für so bekannte Unternehmen wie die Glasfabrik Iittala und die Silberschmiede Kultakeskus Oy, daneben auch Porzellan für die deutsche Firma Rosenthal. Seine Glas- und Silberarbeiten gehören zum Kernbereich seines Œuvres.
Die Kühle und Klarheit des Nordens spricht aus allen Entwürfen dieses großen finnischen Designers. Die aus der Flora und Fauna seiner Heimat entlehnten Formen, Glasgefäße in Eis-Optik und Silberschalen in klarer und organisch geschwungener Formgebung stehen nicht nur für eine typisch finnische Gestaltung, sondern sind beispielhaft für die gesamte internationale Designrichtung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Skandinavische und nordische Protagonisten beeinflussten mit ihrer naturnahen und bewusst schlichten Ästhetik die europäische und internationale Produkt- und Wohnkultur ganz wesentlich.
Anlass für die Ausstellung war der 100. Geburtstag von Tapio Wirkkala. Die vom Finnischen Glasmuseum Riihimaki unter Rückgriff auf wertvolle Leihgaben der Privatsammlung Kakkonen zusammengestellte Schau war bislang in Finnland und in Spanien zu sehen. Leipzig war die einzige Station der Ausstellung in Deutschland.
Tapio Wirkkala hatte seine fruchtbarste Schaffenszeit vom Ende der 1940er Jahre bis in die 1970er Jahre. Während dieser Zeit übernahm er eine enorme Fülle von Designaufträgen auf unterschiedlichen Gebieten. Gleichzeitig war er als Bildhauer tätig und zog mit seinen abstrakten Skulpturen und Objekten große Aufmerksamkeit auf sich. Die freie und die angewandte Kunst durchdringen und befruchten sich im Œuvre Wirkkalas gegenseitig. Er selbst sah in den dienstbaren Gegenständen Objekte von hoher ästhetischer Relevanz.

Tapio Wirkkla


Der finnische Gestalter verkörpert das Bild des Naturmenschen, der im poetischen Dialog und im Einklang mit der Wildnis agiert. Einen Großteil seiner Inspirationen hat er direkt in der einsamen und urwüchsigen Weite Lapplands in sich aufgesogen und verinnerlicht. In der Mehrzahl seiner Schöpfungen schwingt das Anregende und Vorbildhafte der Natur spürbar und eindringlich mit. Es sind die Formen und Oberflächenstrukturen, die Pilze oder Blätter aufgreifen oder den unterschiedlichen Erscheinungsformen von Wasser und Eis nachspüren. Wirkkala thematisiert häufig das Organische, Fließende - ohne seinen Beitrag hätte die „organische Moderne“ nicht ihren Stellenwert im Design. Wie ein Besessener aarbeitete Wirkkala, hat gezeichnet, Modelle und Gussformen selbst gefertigt und in den Werkstätten und Fabriken gemeinsam mit Spezialisten nach günstigen Lösungen gesucht. Wirkkalas Design war und ist in den finnischen Haushalten stark präsent. Vom Küchenherd über das TV-Gerät bis zu Trinkgläsern, Leuchten, Möbeln oder der Form der legendären Wodka-Flasche trägt vieles seine gestalterische Handschrift. Ganz besonders bekannt und populär sind Wirkkalas Entwürfe für die Glasfabrik Iittala und die Silberschmiede Kultakeskus Oy. Beiden Unternehmen war er über Jahrzehnte verbunden, nämlich von 1947 bis 1985 und von 1951 bis 1983.



Fotoarbeiten in der Ausstellung


Das Intro zur Ausstellung Wirkkalas bildeten Fotografien finnischer Landschaften von Annett Pée.


Einen komplexen Sonderbeitrag in der Ausstellung stellten die Aufnahmen des deutschen Fotografen Hans Hansen (*1940) dar, der zwischen den frühen 1960er Jahren bis ins Jahr 2015 von Wirkkala-Glasobjekte als unabhängiges Projekt fotografierte. Hans Hansen ist einer der wichtigsten zeitgenössischen Sachfotografen. Mit seinen Aufnahmen lenkt er die Blicke auf die Verbindung von Wirkkala zur Natur.


Zur Ausstellung lag ein Katalogbuch vor.

In Kooperation mit dem Finnischen Glasmuseum gab das GRASSI Museum für Angewandte Kunst eine deutsch-englische Ausgabe des Katalogbuches heraus.



Olohuone
    
Pressestimmen:
Frankfurter Allgemeine, Feuilleton (27.07.2016)
Die Tageszeitung (31.08.2016)
DOMUS

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