Barock
Importe aus China, Wandel der Trinksitten, Die drei Modegetränke : Kaffee, Tee, Schokolade

Raum 14

Importe aus China

Chinesisches Porzellan war seit dem Mittelalter ein begehrtes Handelsgut, das man vielerorts nachzuahmen suchte. Schon im 9. Jahrhundert gelang es im islamischen Kulturkreis äußerlich ähnliche Gefäße herzustellen, die mit einer glänzend weißen Zinnglasur überzogen wurden.
Nach den ersten Produktionsorten - der spanischen Insel Mallorca und der italienischen Stadt Faenza - nannte man diese Tonwaren Majolika oder Fayence.
 
Die erste Fayence-Manufaktur nördlich der Alpen wurde 1640 in Delft eröffnet, 20 Jahre später folgten die ersten deutschen Gründungen in Hanau und Frankfurt.
 
Viele der europäischen Fayencen orientierten sich an an den chinesischen Vorbildern. Besonders die häufig importierte Blau-Weiße-Ware der Ming-Dynastie prägte in Europa die Vorstellung von echtem Porzellan. Formen und Ornamente wurden übernommen, ohne dass sich den Europäern deren tieferer Symbolgehalt erschloss. Die Begeisterung für das Exotische blieb eine auf rein formale Aspekte beschränkte Modeerscheinung.
 
Der Adel schwelgte in Turkomanie und Chinamode, ließ sich türkische Zimmer oder „indianische“ Lackkabinette einrichten. Vor allem aber war man der Porzellanleidenschaft verfallen, die durch die neuen Heißgetränke noch geschürt wurde.

Wandel der Trinksitten


Europa huldigte im 16. und 17. Jahrhundert einem ungezügelten Alkoholgenuss.

Besonders die Deutschen standen in dem zweifelhaften Ruf maßloser Trunksucht, gegen die sogar Reichsgesetze erlassen wurden.

Wein, Würz- und Kräuterbiere empfahlen sich im Unterschied zu meist verunreinigtem Wasser schon als Morgengetränk. Im gegenseitigen Zutrunk galt es, Trinkfestigkeit und Männlichkeit unter Beweis zu stellen. Es entstand eine beeindruckende Vielfalt von Schenk-, Trink- und Scherzgefäßen aus verschieden-sten Materialien. Wer es sich leisten konnte, besaß seinen eigenen Trinkkrug, oft mit Monogramm oder Widmungsinschrift versehen. Die Gefäßgröße sprach für die Trinkleistung, Material und Dekor kennzeichneten den sozialen Status des Besitzers.

Mit den holländischen und englischen Handelsflotten gelangten im Verlauf des 17. Jahrhunderts verstärkt exotische Produkte nach Europa: Porzellane und Lackarbeiten, Tulpenzwiebeln und Tabak, vor allem aber Tee, Kaffee und Schokolade. Die neuen „heißen Lustgetränke“ bewirkten in Europa einen radikalen Wandel der Sitten und verdrängten schließlich den Alkohol von seiner bis dahin unbestrittenen Führungsposition.
 
Der französische Politiker Mirabeau konstatierte: “Tee und Kaffee haben dem Laster der Trunksucht stärkere Schranken gesetzt als die Lehren der Moralisten, die Wissenschaft und die Aufklärung.“

Die drei Modegetränke: Kaffee, Tee, Schokolade


Die drei neuen Heißgetränke bedeuteten für den europäischen Gaumen zunächst eine ungewohnte Geschmackserfahrung. Anfangs ebenso als ungenießbar verteufelt wie als Medizin empfohlen, wurden sie bald als Modegetränke gefeiert.

Ihr Genuss erforderte neuartige Trink- und Schenkgefäße. Jede der drei Getränkegruppen brachte eigene Geschirrformen hervor, die im Wesentlichen von den spezifischen Zubereitungs- und Trinkgewohnheiten bestimmt waren. Aufgrund seiner Gebrauchseigenschaften erwies sich Porzellan als ideales Material. Zunächst nur als Ballastbeiladung für Teetransporte aus China eingeführt, später in großer Stückzahl importiert, gelang es der Meissener Manufaktur 1710, die ersten europäischen Porzellangeschirre nach chinesischem Vorbild auf den Markt zu bringen.

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