Spätantike & Mittelalter
Raum 2

In der spätantiken Welt beanspruchte das Christentum die Führung vor allen anderen Religionen. Die Christen übernahmen für ihre Darstellungen die Bildformen der antiken Götterwelt. So wurden antike Geisteshaltung und Traditionen über die fränkische Zeit hinweg bis in das Mittelalter überliefert.

Am Ende der Völkerwanderungszeit, im 6. und 7. Jahrhundert, entstand im westlichen Europa das Reich der Merowinger. Auch zu dieser Zeit arbeiteten römische Werkstätten weiter und trugen so zum Fortleben der handwerklichen Traditionen bei. Allerdings ist nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches und seiner hochstehenden Kultur ein deutlicher Verfall der technischen und künstlerischen Qualität der Erzeugnisse zu beobachten.
Die bis dahin entwickelte Formenvielfalt reduzierte sich mit der Zeit auf wenige einfache Grundformen. Diese blieben für das Gebrauchsgeschirr bis weit in das Mittelalter charakteristisch. Im romanischen Kunsthandwerk ist vieles vorgebildet, was Plastik und Malerei im großen Maßstab aufgenommen haben. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts, dem Ausklingen der Romanik, entstanden künstlerisch anspruchsvolle Leistungen fast ausschließlich im Auftrag der Kirche, die in sich die geistliche als auch weltliche Macht vereinte.

Gewebe

Die im gegenüber liegenden Kabinett ausgestellten Textilien stammen aus koptischen Gräbern der nachpharaonischen Zeit Ägytens. Durch die klimatischen Bedingungen sowie den heißen und trockenen Wüstensand dieser Regionen finden kaum Verwesungsprozesse statt, so dass die Toten auch ohne Einbalsamierung mumifiziert wurden und ihre Kleidung erhalten blieb.

Ausgelöst durch Zufallsfunde, wurde ab etwa 1880 gezielt nach solchen Gräbern gesucht. Die dabei entdeckten Textilien wurden nach Europa gebracht und in spektakulären Ausstellungen der Öffentlichkeit präsentiert. Es waren Kleidungsfragmente sowie Teile von Decken und Kissen, die zur Grabausstattung der spätantiken christlichen Bevölkerung Ägyptens gehörten. Außerdem fand man kleingemusterte Seidengewebe, dünne Schleier und leinene Turbanbinden mit islamischen Inschriften in Seidenwirkerei. Diese Stoffe entstanden erst in der Zeit nach der arabischen Eroberung Ägyptens 641.

Die Funde erregten großes Aufsehen. Viele Kunstsammler und Museen waren begierig, diese Objekte zu erwerben. Um dieses Interesse zu befriedigen, starteten ausgedehnte Grabungsprojekte, die nun auch von interessierten Laien durchgeführt wurden.
Der größte Teil unserer Sammlung stammt aus der Grabung von Konsul Dr. Carl  Reinhardt, einem begeisterten Altertumsforscher.

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