Klassizismus
Empire & Eisenkunstguss

Raum 28

Empire

Die aus dem Französischen stammende Stilbezeichnung Empire bezieht sich auf die Regierungszeit Napoleon Bonapartes als französischer Kaiser von 1803 bis 1815. Vorbild ist die prunkvolle Kunst der römischen Kaiserzeit.
 
Seiner neuen Würde entsprechend, erstellte Napoleon als eine der ersten Maßnahmen nach seiner Krönung eine Hofkleiderordnung, die den Damen vorschrieb, Roben aus französischer Seide zu tragen. Grund für diesen Erlass war vor allem das Bestreben, die Not leidende französische Seidenindustrie gegen die ausländische Konkurrenz zu schützen. Die Damen bevorzugten jedoch die hauchzarten Baumwollgewebe und sogar die Kaiserin Josephine wagte es trotz Einfuhrverboten und hoher Schutzzölle auch weiterhin ihre duftigen Kleider aus den verbotenen Stoffen schneidern zu lassen.

Wie schon im 18. Jahrhundert wurde Frankreich und vor allem der französische Hof nun wieder Modevorbild für ganz Europa. Von hier aus verbreitete sich auch als besondere Spielart des Empire der ägyptische Stil. Auslöser war der Ägyptenfeldzug Napoleons 1798/99. Die als Kriegsbeute nach Frankreich gebrachten Funde aus der Zeit der Pharaonen lösten eine Ägyptenbegeisterung aus, die zahlreiche Forschungsreisen nach sich zog und dafür sorgte, dass die „Egyptomanie“ bis etwa 1820 anhielt.

Eisenkunstguss



Ende des 18. Jahrhunderts verbreitete sich die in England neu entwickelte Technik des Eisenkunstgusses auch in deutschen Gebieten, insbesondere in Preußen. Die neue Technik erlaubte es, sehr filigrane Stücke von bis heute unübertroffener Qualität zu fertigen.

Einen Höhepunkt stellt der Eisenschmuck dar. Während der napoleonischen Befreiungskämpfe zeigte man unter dem Motto: „Gold gab ich für Eisen“ seine patriotische Gesinnung. Die Schlichtheit des Eisenschmuckes entsprach preußischer Tugend und dem Zeitgeschmack. Die Rückbesinnung auf die Ideale der Antike und die als „deutsch“ verstandene Gotik spiegelte sich in der Formensprache wider. Bald wurden nicht nur Schmucksachen, sondern auch Briefbeschwerer, Schalen, Leuchter, Büsten und Gartenmöbel aus Gusseisen kunstvoll hergestellt. Meist seriell gefertigte Einzelelemente boten vielfältige Kombinationsmöglichkeiten. Aus einer Gussform ließ sich ohne größeren Aufwand eine Vielzahl von Ausformungen herstellen – der Weg zur industriellen Großproduktion war bereitet.

Namhafte Künstler wie Christian Friedrich Tieck, Christian Daniel Rauch oder Karl Friedrich Schinkel lieferten Entwürfe für die Kunstgüsse, die in den Königlich Preußischen Gießereien von Berlin, Gleiwitz oder der Sayner Hütte gefertigt wurden.

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