Spätgotik Minne
Raum 4

Minnedienst und Minnesang gelten als Inbegriff der ritterlich-höfischen Kultur des Mittelalters. Diese erlebte ihren Höhepunkt im 12. Jahrhundert und wirkte noch Jahrhunderte lang nach.
Der Begriff Minne, personifiziert als „Frau Minne“, war zunächst nicht auf die ritterliche Verehrung der hohen, edlen Frau begrenzt. Minne, althochdeutsch Minja oder Minna, bedeutete ursprünglich Erinnerung, Gedenken. Mit dem Minnetrunk versicherte man sich des Beistands der Heiligen, gedachte damit Abwesenden oder Toten, trank auf das Wohl von Reisenden, beschwor Kraft und Gesundheit und erhoffte sich Schutz vor Vergiftungen.
Man trank Minne zum Willkommen und Abschied oder zur Hochzeit, besiegelte damit Freundschaften und politische Bündnisse. Das Motiv des Liebestrankes ist ein zentrales Thema der Tristansage. Zur Zeit des ritterlichen Minnedienstes wurde Tristan zu einer Idealgestalt des Liebenden. Das uralte Beziehungsproblem, der zwischen zwei Männern stehenden Frau, reizt bis heute zu künstlerischer Gestaltung.
Im Lauf des 16. Jahrhunderts wurde das Wort Minne mehr und mehr auf die geschlechtliche Zuneigung, auf den bloß sinnlichen Genuss bezogen und schließlich als unanständig gemieden. Als Mädchenname begegnet uns Minna noch bis in unsere Zeit.

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