Neuerwerbungen 2014

Trotz fehlender regulärer Ankaufsmittel erfreute sich unser Museum in den letzten Jahren durchweg hoher Zuwachsraten für die Sammlungen. Schwerpunkte liegen dabei nach wie vor in den Bereichen der zeitgenössischen Studiokeramik und des Designs.

Außerdem konnten mit Schenkungen und Leihgaben von herausragenden Stücken durch Einzelpersonen, Stiftungen oder den Freundeskreis des Museums wichtige Akzente, auch in den Ständigen Ausstellungen, gesetzt werden.

Diese Tendenz hat auch 2014 keine Veränderung erfahren.
Die Sammlungen wuchsen in diesem Jahr um insgesamt 972 Positionen, deren überwiegender Teil Schenkungen und Spenden waren.

Die Ernst von Siemens Kunststiftung gehört zu den langjährigen Förderern des Museums. Sie konnte 2014 für die Finanzierung von zwei herausragenden Möbelstücken des Klassizismus gewonnen werden, die sie unserem Museum als unbefristete Leihgaben zur Verfügung stellt. Eine Kommode aus der Zeit um 1785, entstanden in der Manufaktur des Leipziger Kunsttischlers Friedrich Gottlob Hoffmann (1741-1806), und ein Schrank, der im frühen 19. Jahrhundert als Meisterstück nach den Vorgaben der Leipziger Tischlerinnung angefertigt wurde. Diese beiden Leihgaben sind bedeutende Stücke Leipziger Schreinerkunst und eine Bereicherung für die Sammlung der sächsischen Möbel.

Für die Sammlung der historischen Keramik konnte durch glückliche Umstände die Figur eines Mannes mit Kohlenbecken, entstanden in der Porzellan-Manufaktur Gera um 1780, die seit 1945 vermisst wurde, aus dem amerikanischen Kunsthandel zurückgekauft werden. Die Figur einer zeitgleich ebenfalls in Gera entstandenen Gärtnerin wurde aus der gleichen Quelle angekauft. Sie gleicht den Verlust eines identischen Modells aus, dass sich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in den Sammlungen befunden hatte.

Durch umfangreiche Schenkungen bekam dieser Sammlungsbereich weiteren Zuwachs. Nach dem Tode Dr. Paul Jürgen Wittstocks übergab seine Witwe die von den Eheleuten zusammengetragene Sammlung bedeutender französischer Fayencen des 18. Jahrhunderts dem Museum. Dr. Hans-Otto Kluge schenkte eine Kollektion Keramiken des 18. Jahrhunderts sowie verschiedene Stücke aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Für die Jugendstil-Sammlung konnte das Museum einen Suppenteller aus dem von Henry van de Velde (1863-1957) 1903 entworfenen und von der Porzellan-Manufaktur Meißen ab 1904 produzierten Service „Peitschenhieb“ erwerben. Zur Schenkung von Jens Müller, der seit vielen Jahren das Museum unterstützt, gehörten in diesem Jahr neben vielem anderen zwei gläserne Jugendstilvasen mit Farbverlauf bzw. irisierender Oberfläche, eine Vase mit Art déco-Bemalung von Kurt Feuerriegel (1880-1961), und ein dreiflammiger Leuchter aus der Zeit um 1925.

Aus der Sammlung Lafrenz bekam das Museum eine umfangreiche Kollektion von Arbeiten der dänischen Designer Thorvald Bindesbøll (1846-1908) und Johann Gudmann Rohde (1856-1935) geschenkt, die Möbel, Beleuchtungskörper, Silberbesteck und vor allem Keramik enthält. Der Architekt Thorvald Bindesbøll ist einer der bedeutendsten und vielseitigsten Künstler des dänischen Jugendstils und gilt als Schlüsselfigur für die Entwicklung des Designs in diesem Land. Der Maler Johann Gudmann Rohde initiierte 1891 die Freie Kunstausstellung Dänemarks und spielte ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Förderung des dänischen Kunsthandwerks.

Ein für Leipzig und die Sammlungen bedeutendes Stück, ein zwischen 1922 und 1925 entstandenes, silbernes Kaffee- und Teeservice der Silberwarenfabrik Koch & Bergfeld, Bremen, konnte das Museum aus dem Kunsthandel erwerben. Es befand sich ursprünglich im Besitz des Leipziger Architekten Otto Droge (1885-1970) und ist im Zackenstil des Art déco gestaltet, der auch die Architektur des Grassimuseums bestimmt.

Auch für die Bauhaus-Sammlung gelang es mit Hilfe von Spendenmitteln wichtige Objekte zu erwerben. Eine Kugelleuchte nach dem Entwurf von Wilhelm Wagenfeld und eine von Marguerite Friedländer-Wildenhain (1896-1985) entworfene Gebäckschale aus den 1930er Jahren gehören nun zum Bestand dieses Sammlungsbereiches. Eine Zigarettendose aus dem Programm des Ruppelwerks Gotha nach einem Entwurf von Marianne Brandt (1893-1983) kam als Schenkung hinzu.

Helmut Schulze aus Trelleborg, langjähriger Förderer des Museums und Ehrenmitglied des Freundeskreises, schenkte dem Museum einen Kinderarmlehnstuhl nach einem Entwurf von Erich Dieckmann (1896-1944), der 1926 an der Staatlichen Bauhochschule Weimar entstand und in den weiteren Umkreis des Bauhauses gehört. Ebenfalls hier anzusiedeln, aber erst später entstanden, sind zwei Stühle, die die Burg Giebichenstein. Kunsthochschule Halle dem Museum übergab. Werner Stachelroth (1911-1997) hatte sie dort entworfen.

Für den großen Zuwachs im Bereich des Design gilt der Dank des Museums wieder ganz besonders dem Ehepaar Inge und Wilfried Funke, das bereits seit mehreren Jahren dem Museum regelmäßig Teile seiner Designsammlung übereignet. 2014 waren dies vor allem Porzellan- und Keramikservice verschiedener Firmen, die von international bekannten Designern entworfen wurden. Als Beispiele seien hier genannt Herrmann Gretsch (1895-1950), Hubert Griemert (1905-1990), Walter Gropius (1883-1969), Arne Jacobsen (1902-1971), Heinrich Löffelhardt (1901-1979), Trude Petri (1906-1998), Lino Sabattini (*1925), Matteo Thun (*1952), Wilhelm Wagenfeld (1900-1990) und Tapio Wirkkala (1915-1985).

Im Bereich Silbergerät wurde die Sammlung maßgeblich erweitert durch zwei Arbeiten des Berliner Silberschmieds Andreas Moritz, die das Ehepaar Maria und Claus Pese schenkte. Monika und Dr. Günther Czichon übergaben dem Museum eine umfangreiche Kollektion mit Arbeiten vorwiegend norddeutscher Schmuckkünstler der 1980er und 1990er Jahre. Von dem in Dresden lebende Schmuckkünstler Rainer Schumann (*1941) kamen eigene Arbeiten, die er ebenfalls in dieser Zeit geschaffen hatte.

Die Sammlung der Modernen Keramik wuchs auch 2014 durch viele Schenkungen von Sammlern und Künstlern mit am stärksten. Stellvertretend seien hier genannt Anita und Herbert Nelius, Sybille und Rainer Klinge, Dres. Annemarie und Wulf Crueger, Dr. Heribert Meurer und Christel Dywicki. Die Schenkung aus der Neumann-Ogando-Stiftung wurde in diesem Jahr komplettiert. Klaus und Gertrude Bruch übereigneten dem Museum ihre umfangreiche Sammlung, die moderne Keramik, Studioglas und Einzelobjekte wie zum Beispiel einen historischen Faltfächer vom Ende des 18. Jahrhunderts umfasst.
Mehrere Künstler wie der in Vallauris, Südfrankreich, lebende Keramiker Gilbert Portanier (*1926) und der in Lenzburg, Schweiz, arbeitende Ernst Häusermann (*1947) übergaben dem Museum Kollektionen eigener Keramiken. Durch Sebastian Scheid, der dem Haus eng verbunden ist, kamen Stücke aus der Sammlung von Hansgeorg Gareis und Eva Gareis, geb. Helferich ins Haus. (Frau Gareis stammte aus Leipzig) Beate Kuhn schenkte dem Museum ihre Installation „Drei Figuren mit gebogenen Glasscheiben“ und Margret Weise zwei ihrer Figuren.

Anlässlich der Jahrestagung der Gesellschaft der Keramikfreunde e.V. erhielt das Museum die Arbeiten von Anna Dorothea Klug (*1984) und Kiho Kang (*1980) als Geschenk, für die sie mit dem „Richard Bampi-Preis“ ausgezeichnet wurden. Der Preis wurde 2013 von der Gesellschaft der Keramikfreunde im Museum verliehen.

Die Textilsammlung wurde im Bereich Mode durch eine umfangreiche Kollektion von Modellen der Designer Junya Watanabe (*1961), Yohjii Yamamoto (*1943), Azzedine Alaia (*1940) und Jean Paul Gautier (*1952) aus den vergangenen 30 Jahren erweitert, die Vivian Schmitter schenkte.

Bereits 2013 hatten mehrere Künstler, veranlasst durch den große Erfolg der Sonderausstellung „Starker Auftritt“, dem Museum einzelne Arbeiten überlassen. In diesem Jahr schenkte die Thonet GmbH nach dem Ende der Exposition „Sitzen, Liegen, Schaukeln. Möbel von Thonet“, aus dem gleichen Grund mehrere Ausstellungsstücke für die Sammlung der Moderne.

Die Grassimesse reflektiert in jedem Jahr aktuelle Tendenzen in Kunsthandwerk und Design. Das Museum ist deshalb bemüht, signifikante Objekte für die Sammlungen zu sichern. So konnten auch in diesem Jahr Arbeiten der vier Grassipreisträger Kristine Rothe (Papiergestalterin),  JulicaDesign (die Spiel- und Lerndesignerinnen Julia Kaupitwa und Carolin Malur), Judith Runge (Keramikerin) und Gabi Veit (Schmuckdesignerin) erworben werden. Der Ankauf der beiden letztgenannten kam mit tatkräftiger finanzieller Hilfe des Freundeskreises zustande, der außerdem verschiedene Stücke anderer Künstler für das Museum erwarb. Dazu gehörte auch ein Wandbehang der Hamburger Webkünstlerin Ulrike Isensee, die anlässlich der Grassimesse mit dem Lotte Hofmann Gedächtnispreis für Textilkunst 2014 ausgezeichnet wurde.
In diesem Zusammenhang gelangte auch der culturtraeger Designpreis  2014 in die Sammlung. Die Preisträgerarbeit, eine Installation von Malte Westphalen mit dem Titel „die im Design ignorierten Dinge“ schenkte wie schon in den letzten Jahren die Firma culturtraeger GmbH.

Auch die Sammlungen Bibliothek hatten wieder einen hohen Zuwachs zu verzeichnen. Zu den 1100 Zugängen im Bereich der Fachbibliothek, kamen insgesamt 249 Objekte für den Sammlungsbereich Buch, Grafik und Fotografie hinzu. Besonders hervorzuheben sind zwei Blätter des zeitweise in London lebenden, italienischen Zeichners, Kupferstechers und Verlegers Francesco Bartolozzi (1727-1813). Den „Besuch Minervas bei den Musen“ und das „Opfer für Jupiter“ stach er 1777 nach Gemälden seines Freundes und Landsmannes Giovanni Battista Cipriani (1727-1785). Blätter mit diesen Motiven wurden in der Werkstatt des Leipziger Kunsttischlers Friedrich Gottlob Hoffmann als Vorlage für Möbeldekorationen verwendet.

Auf dem Gebiet der Gebrauchsgrafik ist die Schenkung von Klaus Benden von internationaler Bedeutung. Seine Sammlung der von Andy Warhol zwischen 1949 und 1987 gestalteten Plattencover bietet einen komprimierten Überblick der stilistischen Entwicklung Warhols von den Anfängen bis zum Höhepunkt der Pop Art. Sie wird ab Ende März im Foyer vor der Dauerausstellung des Museums in einer neugestalteten Präsentation zu sehen sein.