Neuerwerbungen für die Sammlungen aus 2015 und 2016

Auch in 2015 und 2016 konnten zahlreiche bedeutende Neuerwerbungen für die Historischen Sammlungen des Museums getätigt werden.

An erster Stelle soll eine qualitativ und quantitativ herausragende Privatsammlung genannt werden, die in Gänze in den Besitz des Museums übergegangen ist: Die bedeutende Sammlung des Ehepaares Diethard und Regina Lübke setzt sich aus drei großen Konvoluten zusammen: Eine 385 Positionen umfassende Sammlung von Porzellanen aus dem 18. Jahrhundert. Davon bilden frühe, im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts von Johann Gregorius Höroldt (1696–1775) und seinen Mitarbeitern bemalte Porzellane den Schwer- und gleichzeitig den Höhepunkt der Sammlung. Zahlreiche Chinoiserie-Motive gehen auf den einzigartigen, in unserem Museum verwahrten „Schulz-Codex“ zurück, der wohl um 1722/26 entstanden ist.
Chinesisches und japanisches Porzellan, für Europa gefertigte Exportporzellane eingeschlossen, ergänzen diese Kollektion. Eine Sammlung von 24 geschnittenen und geschliffenen Gläsern aus dem 18. Jahrhundert bildet den zweiten Schwerpunkt der Sammlung, den dritten eine 98 Positionen umfassende Sammlung von grafischen Blättern, Büchern und Buchreihen aus dem 16. bis 19. Jahrhundert.

Mit der freundlichen Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen und einer Spende von Helmut Schulze, Ehrenmitglied des Freundeskreises des Museums, konnten aus dem Besitz der Familie von Schönburg-Glauchau die zwei Altarflügel des sogenannten Callenberger Altars erworben werden, dessen Schreinkasten sich seit 1901 im Besitz des Museums befindet. Auch die beiden Flügel stammen aus der Werkstatt eines der bedeutendsten Bildschnitzer der Spätgotik in Mitteldeutschland – Peter Breuer. Der auf 1512/1513 datierte Wandelaltar besteht nun wieder aus einem Mittelschrein mit drei Figuren und einem beweglichen Flügelpaar. Die Flügel sind entsprechend ihrer Funktion beidseitig gestaltet und verfügen über eine Werktags- und eine Festtagsseite. Nach über 150 Jahren ist nun der Schreinkasten mit seinen zu ihm gehörenden Flügeln wieder vereint.

Eine heute noch 11 Bände umfassende Daktyliothek, die sich einstmals im Besitz des Leipziger Buchhändlers und Verlegers Siegfried Leberecht Crusius (1738–1824) befand, wurde uns von Ludwig von Breitenbuch übergeben. Die Daktyliothek ist wohl in Frankreich um 1785 entstanden und bestand ursprünglich aus 13 buchförmigen hölzernen Kästen, von denen jeder anstelle von Buchseiten fünf Schubfächer mit 100 Gemmenabdrücken enthielt. Sie ist von größter Bedeutung für die Kunst- und Kulturgeschichte Leipzigs bzw. Sachsens: bei der Daktyliothek handelt es sich sicherlich um die 1786 im Katalog der Leipziger Kunsthandlung von Carl Christian Heinrich Rost (1742–1798) vorgestellte Sammlung.

Zahlreiche weitere Objekte wurden dem Museum vermacht:
Der nicht nur qualitativ, sondern auch von seinen Maßen herausragende Kugelfußbecher des Leipziger Goldschmiedes Gottfried Schmidt stellt eine überaus glückliche Bereicherung unseres Sammlungsschwerpunktes an Leipziger Goldschmiedekunst des 17. und 18. Jahrhunderts dar. Der Becher besitzt einen konisch ansteigenden Korpus und eine reich verzierte Wandung mit getriebenen und fein gravierten allegorischen Szenen der vier Jahreszeiten. Dieses herausragende Werk der Leipziger Goldschmiedekunst ist in dem Bereich „Barock in Sachsen“ zu bewundern. Auch dieses Stück wurde uns aus Privatbesitz vermacht.

Dank der Förderung der Ernst von Siemens Kunststiftung konnte ein großer Leipziger Kleiderschrank als Dauerleihgabe in die Ständige Ausstellung integriert werden. Der Schrank, ein Meisterstück nach der im Jahr 1801 eingeführten neuen Meisterstückverordnung, besticht nicht nur durch die Qualität der handwerklichen Ausführung, sondern auch durch seinen ungewöhnlich guten Erhaltungszustand.

Aus dem Kunsthandel konnte ein Glasbecher mit der geschnittenen Ansicht des Grimmaischen Tors in Leipzig erworben werden. Er entstand wohl um 1820 und ergänzt die Sammlung an Biedermeier-Gläsern vorzüglich.

Ein überaus fein geschnitztes Relief aus Buchsbaumholz mit der Darstellung des Heiligen Sebastian in Landschaft, wohl in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden, hat seinen Platz in der Kunstkammer gefunden.

Eine kleine, polychrom bemalte Eisenkassette, wohl um 1600 zu datieren, wurde von Jens Müller dem Museum übergeben und ist nun in Raum 11 der Ständigen Ausstellung „Antike bis Historismus“ zu bewundern. Ein Meissener Kaffeeservice mit dem seltenen Stachelbeermuster wurde ebenfalls aus Privatbesitz dem Museum geschenkt. Dr. Hans Otto Kluge vermachte dem Museum wieder zahlreiche Stücke der Porzellan-Manufaktur Meissen, die im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts entstanden sind und unsere Sammlung an Meissener Porzellanen weiterhin bereichern.
Zu den besonders herausragenden neuen Kunstwerken – eine Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland – zählt ein ca. 260 cm hohes mittelalterliches Lesepult in Gestalt eines Adlers, das entsprechend seiner hohen Bedeutung in der Liturgie aufwändig gestaltet ist. Es kann in Raum 2 besichtigt werden. Der Adler steht auf der Weltkugel und hält eine Schlange zwischen den Klauen. Seine ausgebreiteten Flügel dienten als Träger des Evangelienbuches. Die den Adler tragende Säule besitzt eine Basis mit drei Kugelfüßen und endet in einem korinthischen Kapitell.

Neuerwerbungen aus dem 20. und 21. Jahrhundert speisten sich in den Mehrzahl aus zahlreichen Schenkungen. Anlässlich der Verabschiedung von Frau Dr. Eva Maria Hoyer in den Ruhestand, hat sich insbesondere der Freundeskreis des Museums für die Erwerbung hochkarätiger Objekte engagiert. So konnte er zusammen mit dem Freistaat Sachsen (Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst; Sächsische Landesstelle für Museumswesen) einen seltenen Blumen- und Büstenständer erwerben, 1904 von Marcel Kammerer für die Firma Gebr. Thonet entworfen. Er fand Eingang in die Dauerausstellung „Jugendstil bis Gegenwart“, ebenso wie die Schenkungen der Doris-Günther-Stiftung. Genannt sei hier stellvertretend das Objekt „Kanau“, eine emaillierte Metallarbeit des Japaners Naoki Takeyama.

Für den großen Zuwachs im Bereich des Design gilt der Dank des Museums wieder ganz besonders dem Ehepaar Inge und Wilfried Funke, das bereits seit mehreren Jahren dem Museum regelmäßig Teile seiner Designsammlung übereignet. 2015 und 2016 waren es wieder Porzellan- und Keramikservice verschiedener Firmen, die von international bekannten Designern entworfen wurden. Aber auch Kostbarkeiten wie die italienischen Entwürfe in Glas von Gae Aulenti und Tobia Scarpa befanden sich unter den großen Konvoluten dieser treuen Unterstützer des Museums. Die niederländische Sammlerin Rosemarie Willems bedachte das Museum ebenfalls mit einer großzügigen Schenkung, aus der ein Großteil in der Ausstellung „Angewandte Kunst aus den Niederlanden und Flandern“ zu bewundern war.

Das Spektrum reicht von der figürlichen Keramik, über Glas-und Porzellandesign bis hin zu zeitgenössischen Silberarbeiten. Zuvor hatten die zum größten Teil geschenkten Objekte aus  der Sammlung Thilo Götz die Ausstellung „Art déco-elegant, kostbar, sinnlich“ bereichert.  Ausgefallene Fotokameras im typischen Zeitstil, aber auch Accessoires vom Zigarettenetui bis zum Pillendöschen eröffneten einen Blick auf einen facettenreichen Gestaltungswillen der auch Alltagobjekte zu etwas Besonderem macht.

Marlies Ameling, Glasdesignerin und lange Jahre die künstlerische Leiterin des VEB Harzkristall in Derenburg hat uns über 200 Glasobjekte geschenkt. Die Vasen, Karaffen; Dekorationsgläser und Trinkglasserien stammen vorwiegend aus der Zeit  nach 1980 bis Anfang der 2000er Jahre und bieten einen guten Überblick auf ihr kreatives Schaffen.

Dari Groß, die Tochter des bekannten Gold-und Silberschmieds Erich Lenné hat dem Museum zahlreiches Stücke ihres Vaters vermacht. Anhänger und Ringe aus Gold mit aufwändiger Granulationstechnik geschmückt zeugen von seiner virtuosen Beherrschung dieses alten Handwerks. Die Schenkungen von Privat bereichern die Schmucksammlung mit unikaten Arbeiten von Erich Hergert und Wolfgang Skoluda. Letzterer gilt als Meister der spolienhaften Verwendung antiker  Gemmen und Kameen.

Wie jedes Jahr sind  ist das Museum bemüht, signifikante Objekte der Grassimesse für die Sammlungen zu sichern. So konnten auch in diesem Jahr Arbeiten der vier Grassipreisträger Christine Matthias und Sophie Baumgärtner (beide Schmuckgestalterinnen), Elke Sada und Kiho Kang (beide Keramiker) erworben werden.  2015 war das Engagement des  Freundeskreises besonders hoch, denn 2016 stand sein 25- jähriges Jubiläum ins Haus, so dass über30 Arbeiten mit Unterstützung des Freundeskreises getätigt werden konnten. Lotte Reimers, Mitglied des Freundeskreises erwarb für das Museum auf der Messe das skulptural anmutende Mantelkleid „Circle“ aus roter Merinowolle, das von der Textilkünstlerin Gudrun Bartenberger-Geyer gefertigt wurde. Alle Schenkungen der Grassimesse 2015 waren in der Ausstellung „Freunden sei Dank- 25 Jahre schenken und fördern“ zu sehen.

In diesem Zusammenhang gelangte auch der Grassi Nachwuchspreis  2015  in die Sammlung, ein innovatives Regalkonzept von Robert Hahn, wie schon in den letzten Jahren eine Schenkung der Firma culturtraeger GmbH.

Interessante Neuzugänge gab es in den beiden letzten Jahren auch im Bereich Textil. Neben der Erweiterung der  Sammlung mit Abendgarderobe unterschiedlicher Dekaden des 20. Jahrhunderts wurden dem Museum unter anderem vier Konvolute geschenkt. So konnte die Spitzensammlung mit acht Stolen und Umhängen aus Maschinenspitze der Zeit um 1900 erweitert werden. Im Bereich der Bekleidung übereignete Frau Augusta Pohle sieben Paar Lederhandschuhe. Sie sind nicht nur ein Zeugnis der modischen Entwicklung dieses Accessoires, sondern lassen auch, durch deren feine Fertigungsweise, vergessenes Handwerk erkennen.

Die Studentinnen des Fachbereiches Textildesign der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle/Saale haben über 40 experimentelle Stoffproben, in denen sich Visionen für die textile Flächenherstellung ablesen lassen, dem Museum übergeben. Dieser Sammlungsbereich konnte außerdem  mit einem umfangreichen Bestand an Mustercoupons und Entwurfszeichnungen der Gestalterin Ursula Klapper erweitert werden. Sie arbeitete viele Jahre für das Modeinstitut der DDR in Berlin.